Rithy bietet nicht nur praktische Hilfsmittel zur Verhinderung von HIV-Infektionen an, sondern ihre Kontaktarbeit geht weit darüber hinaus. Ihr Ziel ist der Aufbau von Vertrauen bei allen, denen sie begegnet. Sie sollen wissen, dass sie zu ihr und den Cambodian Women for Peace and Development (CWPD) kommen können, wenn sie Hilfe brauchen. CWPD ist die Organisation, über die Rithy ihre aufsuchende Sozialarbeit durchführt.
Mit diesem gemeinschaftsorientierten Ansatz werden bedeutende Ergebnisse erzielt: Im Jahr 2022 erhielten fast 83 % der Sexarbeiter*innen mit HIV eine antiretrovirale Therapie. Damit sticht Kambodscha im Vergleich zu anderen Ländern in der Region heraus.
Später am Abend trifft Rithy mit einer Gruppe anderer aufsuchender Sozialarbeiter*innen und vor Ort tätiger Mitarbeiter*innen in Street 136 zusammen. In diesem unübersichtlichen und pulsierenden Viertel reihen sich Karaokebars und andere Vergnügungsstätten aneinander, und hier betreiben Sexarbeiter*innen ihr Geschäft. Rithy gibt den Frauen, die sie trifft, regelmäßig ihre private Telefonnummer.
Ein Kleintransporter wartet diskret in der Nähe einer der Bars. Rithys Kolleg*innen erklären, dass in dem Transporter gleichzeitig zwei Personen Platz finden. Der Innenraum ist durch einen Vorhang geteilt. In dem Transporter können Frauen sich Kondome und HIV-Selbsttests holen, sich auf HIV und Syphilis testen lassen und Informationen – persönlich, aber auch über Telegram und Facebook – über die Prävention von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen sowie über Familienplanung und PrEP erhalten.